Das Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP) Ismael Ertug besuchte bereits zum vierten Mal die Schüler der 10. Klassen.

Die Diskussion um das Thema "Flucht" beherrscht seit mehreren Jahren immer wieder die Schlagzeilen in den Medien. Brauchen wir ein einheitliches Asyl-Recht in der EU? Wie ist die Situation in den sogenannten "sicheren Herkunftsländern"? So lauteten die zentralen Fragen am Freitag, den 23. März 2018, für alle Zehntklässler. Mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung war es erneut gelungen, den Europaabgeordneten Ismail Ertug in der Aula der Realschule begrüßen zu dürfen.

Der bodenständige Abgeordnete schaffte es immer wieder durch Bezüge zur Lebenswelt der Schüler und eine sehr verständliche Ausdrucksweise, einen Einblick in das komplizierte Thema "Europa" zu gewähren. "Was verbinden Sie mit Europa?", war beispielsweise die Eisbrecherfrage zu Beginn der Veranstaltung. Themen wie die Chancen und Vorteile der EU, Berufswahl, Sicherheit, Globalisierung, Beteiligung an Wahlen, Wohlstand, totalitäre und autokratische Systeme wurden im Lauf der 90 Minuten besprochen.

Eine längere Diskussion gab es dann zum Thema "Flüchtlinge". Hier warnte der Europa-Abgeordnete vor Panikmache. Ismael Ertug erklärte, dass ein "Durchgriffsrecht" der EU in diesem Politikfeld fehle. Es sei nicht so einfach, Länder aus der EU gegen deren Willen hinauszuwerfen, nur weil sie keine Flüchtlinge aufnehmen wollen. Immer wieder zeigte das MdEP die komplizierten Mechanismen bei politischen Entscheidungsfindungen auf EU-Ebene auf. Er warnte vor einfachen Lösungen: "Manche Parteien versprechen viel, können aber die Probleme mit ganz einfachen Rezepten auch nicht lösen." Der Abgeordnete appellierte an die Schüler der 10. Klassen, genau und sensibel mitzuverfolgen, wann Parteien versuchen würden, bewusst vorhandene Ängste für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Ertug verteidigte auch die Entscheidung Angela Merkels vom September 2015, in Budapest festsitzenden Kriegsflüchtlingen aus humanitären Gründen Hilfe anzubieten.

Der Besuch war im Sozialkundeunterricht inhaltlich vorbereitet worden. So konnten die Schüler immer wieder mit dem Europaabgeordneten ins Gespräch kommen und mit ihm Diskussionen führen. Ismael Ertug verstand es auf eine menschliche Art und Weise dafür zu werben, keine eindimensionale Sichtweise auf die Dinge zu entwickeln, sondern stets alle einfachen Lösungen kritisch und multiperspektivisch zu hinterfragen. Nur so könne man zu einem ausgewogenen Urteil kommen.

Nach dem Besuch wurde klar, dass die Abschluss-Schüler wichtige Einsichten dazugewonnen hatten. Letztendlich erkannten bereits viele während der Veranstaltung, dass die EU immer wichtiger wird und durch ihre demokratischen Strukturen einen wesentlichen Garanten für Frieden und Freiheit in einer immer globalisierteren Welt darstellt.

Marius Graber