Die Wirtschaftslehrkräfte der Realschule Obertraubling und das Unternehmen wollen den Schülerinnen und Schülern zeigen, dass Wirtschaft Spaß macht. Am 29. November 2022 ging es in Neutraubling los.

 

Näher können sich Schule und Wirtschaft kaum kommen. Und dies nicht nur, weil das Fertigungsunternehmen in unmittelbarer Nähe der Realschule Obertraubling seinen Standort hat. Die Mitarbeiter der Makron GmbH und die Schülerinnen und Schüler des kaufmännischen Zweigs werden sich im kommenden Schuljahr häufig besuchen. Lehrplaninhalte werden dann eng mit dem Fertigungsunternehmen verzahnt und die Türen von Makron öffnen sich für Schülerinnen und Schüler aus der Realschule.

„Wirtschaft ist spannend und macht Spaß“, versprechen die Wirtschaftslehrkräfte. Mit diesem Motto ist auch der Kooperationsvertrag überschrieben, unter dem Caroline Kronseder und der Schulleiter Andreas Hoffmann ihre Unterschrift setzten. Die vertraglich fixierte Zusammenarbeit, von der es bisher nicht allzu viele Beispiele gibt, ist langfristig angelegt.

Wie die enge Zusammenarbeit aussehen soll, dazu haben die Wirtschaftslehrer und Caroline Kronseder einen detaillierten Fahrplan ausgearbeitet. Die Schulkooperation bietet Unternehmen die Chance, Schülerinnen und Schüler für den Betrieb und eine Ausbildung dort zu begeistern. Gleichzeitig dient sie Schülerinnen und Schülern der Berufsorientierung.

 

Auftaktveranstaltung der Schulkooperation

 

Nachdem die Schülerinnen und Schüler das Drehkreuz der Makron GmbH passiert hatten, wurden sie vom Geschäftsführer Christian Kronseder persönlich einzeln per Handschlag begrüßt und willkommen geheißen. Im Anschluss an eine kurze Einweisung wurden die 34 Schülerinnen und Schüler der WPFG II in zwei gleichgroße Gruppen eingeteilt.

Die eine Gruppe durchläuft heute verschiedene Stationen der Fertigung des Unternehmens, während die andere Gruppe der Prokuristin Caroline Kronseder in die Verwaltung folgt, um dort die kaufmännischen Abläufe der GmbH zu erkunden. In der darauffolgenden Woche werden die Gruppen jeweils getauscht.

 

Erkundung der Verwaltung – kaufmännischer Teil

 

Im Anschluss an eine kurze Vorstellung von Caroline Kronseder und zwei ihrer Auszubildenden bekamen alle Schülerinnen und Schüler den Auftrag, sich kurz vorzustellen und ihre beruflichen Vorlieben preiszugeben. Nach dieser Phase ging es gleich mitten ins Geschehen und die Schülerinnen und Schüler lernten ein schülernahes Produkt des Fertigungsunternehmens „Sitzbank Relaxsitty“ kennen. Sie durften sich Gedanken über die Zielgruppe des Produktes machen und fanden diese anhand ihres in der Schule erworbenen Wissens sicher heraus. Damit wurde das Grundwissen der 7. Jahrgangsstufe zum Businessplan aktiviert und in der Realität angewendet. Im Anschluss wurden Möglichkeiten gesammelt, wie das Produkt beworben und vertrieben werden könnte. Die Schülerinnen und Schüler dachten dabei weitaus moderner (z. B. TikTok), als die anwesenden Lehrkräfte. Die Zeitung als möglicher Werbeträger wurde von den jungen Menschen kaum mehr in Erwägung gezogen.

Daraufhin wurde der Weg vom Interesse eines Kunden bis hin zum Verkauf, der Bezahlung und der Verbuchung von der Prokuristin mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet. Nach einer kurzen Pause durften die Lernenden das ERP-System „abas“ kennenlernen. Der komplette Unternehmensablauf wird in diesem System abgebildet: Begonnen wird bei einer sog. Chance, kommt dann zur Angebotserstellung und hoffentlich im nächsten Schritt zur Auftragserteilung. Auch das Ausstellen des Lieferscheins und die Rechnungsstellung wird in diesem System dargestellt.

 

Die Lernenden durften selbst aufgrund einer Anfrage einen Interessenten am PC anlegen. Dabei erfuhren die Schülerinnen und Schüler, dass jeder Ablauf im ERP-System auch mit einem Ansprechpartner dokumentiert wird. Interessant war auch, dass das Unternehmen im Gegensatz zur Schule völlig ohne Papier auskommt (Dokumenten Management System). Zunächst unverständlich erschien es den Schülerinnen und Schülern, warum sowohl die Artikelnummer von Makron als auch eine andere Artikelbezeichnung des Kunden für dasselbe Produkt eingepflegt wird. Frau Kronseder erläuterte, dass es sonst unangenehm in Kundengesprächen wäre, wenn keiner weiß, von welchem Produkt die Rede ist, da mit unterschiedlichen Nummern gearbeitet wird. Beeindruckend war, wie einfach per Mausklick sich dann das Angebot für den Kunden erstellen lässt.

Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern wird aus Fertigungssicht überlegt, was noch bedacht werden muss. Anhand einer technischen Zeichnung kamen die Schülerinnen und Schüler auf wichtige Arbeitsschritte und Aspekte, die auch in den Verkaufspreis eingepreist werden müssen. Auch die Versandkosten und die Verpackung bedachten die Lernenden aufgrund ihres Vorwissens sicher. Der technischen Zeichnung war genau zu entnehmen, welche Teile für die Anfertigung benötigt werden. Anhand der Kalkulationsliste aus dem ERP-System suchten die Schülerinnen und Schüler tagesaktuelle Preise von Zulieferern heraus und kalkulierten den Preis für das verwendete Halbzeug. Wie das Lehrplanthema Einkaufskalkulation in der Realität umgesetzt wird, erstaunte die Schülerinnen und Schüler sehr. Der Umgang mit zahlreichen Maßeinheiten, Euro-Beträgen, technischen Zeichnungen, der unbekannten Benutzeroberfläche gepaart mit vielen Fachbegriffen, stellte den einen oder anderen vor eine Herausforderung. Die Erkundenden haben den Ausbildungsberuf Industriekaufmann als anspruchsvoll und vielseitig kennenlernen dürfen und gemerkt, dass das in BWR erworbene Wissen tatsächlich auch in der Praxis benötigt wird. Leider verging die Zeit wie im Fluge und die Schülerinnen und Schüler kamen nicht mehr zur Buchführung mit DATEV. Dies wird aber sicher in einem der nächsten gemeinsamen Treffen nachgeholt werden.

In Absprache mit den Wirtschaftslehrkräften hat Frau Kronseder eine gut durchdachte, dem Lehrplan entsprechende und abwechslungsreiche Agenda erstellt – dafür herzlichen Dank! Was die Schülerinnen und Schüler nicht wissen, dass Frau Kronseder sogar die BWR-Schulbücher „gewälzt“ hat, um nahe am Lehrplan zu bleiben. Dabei war sie sehr positiv überrascht von den Inhalten, die die WPFG II bereits in jungen Jahren lernt.

 

Erkundung der Fertigung - Technischer Teil

 

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Kronseder ging es für die Technik-Gruppe in die Fertigungshallen der Makron GmbH. Zunächst erhielten die Jugendlichen eine kurze Sicherungseinweisung, um Unfälle zu verhindern. Danach erklärte der Ausbildungsleiter den Schülerinnen und Schülern den Bereich des Lagers. In diesem Zusammenhang lernten sie die verschiedenen Werkstoffe kennen. Dann wurden die siebzehn Schülerinnen und Schüler in vier Gruppen eingeteilt. Wie in einem Zirkeltraining durchliefen sie unterschiedliche Stationen in der Fertigung, wobei ihnen an jeder Station ein freundlicher Mitarbeiter der Makron GmbH verschiedenen Elemente der Zerspanungstechnik erläuterte.

 

So konnten unsere Schülerinnen und Schüler an automatisierten Bearbeitungsstationen beobachten, wie aus einem quadratischen Aluminiumrohling ein Würfel gefräst wurde. Ihnen wurde die Programmierung dieses Vorganges mit Hilfe der entsprechenden Software gezeigt. Außerdem sahen die Jugendlichen, wie Teile in die Maschine ein- und ausgespannt werden. Mit großer Begeisterung beobachteten unsere Schülerinnen und Schüler den Roboter, der die Maschine selbstständig und kontinuierlich mit neuen Rohlingen befüllte. Den Würfelansatz durften sie im Anschluss an die maschinelle Bearbeitung eigenhändig verschleifen.

 

An einer anderen Station konnten die Schülerinnen und Schüler sehen, wie aus einem Rohling ein Schlüsselanhänger gefräst wurde. Ihnen wurde die Funktionsweise der dreiachsigen Fräsmaschine erklärt und die Fachbegriffe „Nullpunkt“ oder „Vorschub“ vermittelt. An dieser Station erkannten unsere Schülerinnen und Schülern, dass das Koordinatensystem mit X, Y und Z- Achsen keine Erfindung der Mathematiklehrkräfte ist, sondern in der betrieblichen Arbeitswelt benötigt wird. Jeder Jugendliche durfte seinen eigenen Schlüsselanhänger gestalten und ihn polieren.

 

Außerdem wurden den Schülerinnen und Schülern das Lasern und Messen der produzierten Teile erklärt. Sie erhielten Einblicke in unterschiedliche Messverfahren und Programme. Die Jugendlichen erfuhren, dass auch kleinste Abweichungen von den Kunden bemängelt werden. Qualitätssicherung ist deshalb ein wichtiger Bestandteil im betrieblichen Produktionsprozess. Daher wird regelmäßig nachgemessen und das Messergebnis protokolliert, bevor ein Fertigerzeugnis das Werk verlässt. Auch an dieser Station konnten die Schüler selbst aktiv werden, indem Sie einen Kugelschreiber, ihren Schlüsselanhänger und einen Würfel mit dem Laser gravierten.

 

Zur Bearbeitung der unterschiedlichen Materialien benötigt die Makron GmbH viele verschiedene Werkzeuge. An der Station „Werkzeugverwaltung“ erhielten die Schülerinnen und Schüler Informationen über die unterschiedlichen Werkzeuge zur Bearbeitung von Stahl, Aluminium oder Kunststoff. Ein einwandfreier Zustand dieser Werkzeuge garantiert eine reibungslose Produktion. Darum durften die Jugendlichen Werkzeuge überprüfen und zusammenbauen. Eine sinnvolle und ordentliche Einlagerung der Werkzeuge garantiert, dass diese dem Unternehmen möglichst lange zur Verfügung stehen. Die Schülerinnen und Schüler erhielten einen Einblick in das System der Werkzeugverwaltung und durften verschiedene Werkzeuge ein- und auslagern. 

Mit großer Begeisterung verfolgten unsere Schülerinnen und Schüler „Robi“, den Transportroboter der Makron GmbH. Er beliefert die Mitarbeiter an ihren Maschinen mit den benötigten Werkzeugen und transportiert nicht mehr benötigte Werkzeuge zurück ins Lager. Nachdem die Schülerinnen und Schüler alle Stationen durchlaufen hatten, packten sie ihre selbst produzierten Teile in ein Mäppchen und nahmen sie als Erinnerung mit nach Hause.        

 

Kurz vor Ende des etwas anderen Schultages durften beide Gruppen noch ein Quiz mit Fragen zum Tag durchlaufen und die Aussicht auf einen Gewinn spornte die Schülerinnen und Schüler dabei an.

Vergelts Gott nochmal dem Geschwisterpaar Kronseder für die aufregenden Einblicke in ein erfolgreiches Fertigungsunternehmen, die herzliche Aufnahme und die gute Verpflegung.  Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit und zahlreiche gewinnbringende Veranstaltungen für beide Seiten.

 

 

 

 

 

Mathias Simmerl

Stephanie Schneidt-Schindler